Therapie des Von-Willebrand-Syndrom bei zahnärztlichen Eingriffen

VWS bei zahnärztlichen Eingriffen

In der Regel können alle zahnärztlichen Behandlungen auch bei Personen mit Gerinnungsstörungen durchgeführt werden. Zahnärztliche Eingriffe können auch bei leichter betroffenen Patienten mit einem deutlichen Blutungsrisiko verbunden sein. Daher ist wichtig: Besprechen Sie geplante Eingriffe bitte mit dem behandelnden Hämostaseologen bzw. den Experten des Gerinnungszentrums.

Diese werden gemäß der Schwere des Eingriffs, Ihrer Vorgeschichte und aktuellen Gerinnungswerten entschieden, ob der Eingriff stationär, in einer Klinikambulanz oder beim Zahnarzt statt finden sollte. Die Gerinnungsexperten entscheiden auch, ob und welche Medikamente gegeben werden müssen.

Desmopressin (DDAVP) und Von-Willebrand-Faktor-Konzentrat

Liegt ein Von-Willebrand-Syndrom Typ 1 vor, können Blutungskomplikationen in der Regel durch eine Gabe von Desmopressin vor dem Eingriff vermieden werden. Da nicht alle Patienten ausreichend auf Desmopressin ansprechen, erhöht eine Testbehandlung im Vorfeld der Operation die Sicherheit des Eingriffs: Führt das Desmopressin hier nicht zum benötigten Anstieg des Von-Willebrand-Faktors, sollte ein Von-Willebrand-Faktor-haltiges Konzentrat gegeben werden. Gleiches gilt bei Vorliegen eines schweren Von-Willebrand-Syndrom oder andere Desmopressin-Kontraindikationen (weitere Informationen finden Sie unter "Nebenwirkungen bei der Von-Willebrand-Syndrom Therapie").

Tranexamsäure / Epsilon-Aminocapronsäure

Meist zusätzlich zur Behandlung mit DDAVP oder einem VWF-haltigen Konzentrat kann das Blutungsrisiko durch die lokale Anwendung des Antifibrinolytikums Tranexamsäure gesenkt werden. Dazu wird mit einer fünfprozentigen Lösung zwei Minuten lang gespült, bis zu sieben Tage viermal täglich (Rezepturhinweis Tranexamsäure zur Anwendung im Mund. Neues Rezeptur-Formularium ABDA. 4.3.2009).
Eine lokale Mundspülung mit Tranexamsäure kann auch bei Patienten hilfreich sein, die zuvor Antikoagulantien (z.B. Azetylsalizylsäure (ASS), Kumarinderivate) eingenommen haben bzw. dauerhaft mit diesen Substanzen behandelt werden. Besondere Vorsicht ist bei einer vorherigen Behandlung mit ASS geboten. Patienten mit Von-Willebrand-Syndrom sollten keine ASS-haltigen Medikamente einnehmen, da hierdurch die Blutungsneigung erheblich verstärkt werden kann. Mehr Informationen finden Sie unter "Medikamente bei Von-Willebrand-Syndrom".

Medikation nach dem Eingriff

Gerade bei der Schmerztherapie müssen die Besonderheiten einer Gerinnungsstörung beachtet werden. So enthalten viele schmerzstillende Medikamente ASS und können das Nachblutungsrisiko erhöhen. Vorsicht ist aber auch bei einigen nicht-steroidalen Antiphlogistika und Antibiotika sowie bei verschiedenen Phytotherapeutika (z.B. Ginkgo) geboten. Auch hier kann es negative Auswirkungen auf die Blutgerinnung geben.
Mehr zu geeigneten Medikamenten finden Sie unter "Medikamente bei Von-Willebrand-Syndrom".

Zahnärztliche Prophylaxe

Zahnfleischbluten ist eines der typischen Symptome des Von-Willebrand-Syndroms.
Der Blutverlust wird leicht unterschätzt. Chronisches Zahnfleischbluten kann einen Eisenmangel bedingen (Anämie).
Um so wichtiger ist es, Karies und Parodontitis durch gute Zahnpflege zu vermeiden:
Besprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt die Möglichkeiten einer gezielten zahnärztlichen Prophylaxe einschließlich professionelle Zahnreinigung und Parodontitisbehandlung.
Sie selbst können einiges tun:

  • Verwenden Sie eine Zahnbürste mit weichen Borsten, um Verletzungen des Zahnfleisches zu vermeiden.
  • Verzichten Sie auf Zahnseide und verwenden statt dessen eine Munddusche oder Interdentalsticks.
  • Achten sie auf eine zahngesunde Ernährung mit einer guten Fluorid-Versorgung.

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